524. Bergstreittag in Schneeberg

Der Besuch des 524. Bergstreittages in Schneeberg am 22. Juli 2020 sollte mein dritter Besuch in Schneeberg innerhalb eines Monats sein. Nach dem ich bereits Gespräche in der Stadtverwaltung hatte, das Siebenschlehener Pochwerk besuchte und den Bergbaulehrpfad abfuhr, stand zum 22. Juli 2020 der Bergstreittag auf dem Programm. Das dieser im Jahr 2020 ein anderer als gewohnt werden sollte, war spätestens nach den ersten, strengen Maßnahmen gegen das Corona-Virus klar. Keine Bergparade, kein Berggottestdienst wie üblich. Dabei blieb es auch. Allerdings war es der Stadt doch möglich, den Bergstreittag nicht gänzlich absagen zu müssen, sodass es ein Alternativprogramm für die Bewohner:innen und Besucher:innen aufgestellt wurde.
Für mich bedeutet der Tag dennoch „Arbeit“, da mir das Ereignis die Möglichkeit bot, mit einigen Aktiven der Bergbauvereine sprechen zu können. Die bisher angesetzetn Treffen fielen aus, weil auch die Vereinstreffen Corona-bedingt nicht stattfinden konnten.

Vorab versuchte ich so viel wie möglich über das Ereignis in Erfahrung zu bringen und musste feststellen, dass die eine Erzählung immer wieder rezipiert wird, eine Klärung des Ursprungs aber im Umklaren bleibt. Sowohl in der Literatur als auch in den zahlreichen Zeitungsbereichten beruft man sich auf die Niederlegung der Arbeit durch die Bergleute aufgrund der Kürzung des Geldes um einen Groschen in den Jahren 1496 und 1498. Die Bergleute streikten, zogen aus der Stadt aus, die Kürzung wurden revidiert und die Bergleute kamen größtenteils an ihre Arbeitsstellen zurück (soweit die Kurzform der Geschichte). Bisher konnte ich nur die Chronik von Christian Melzer im Digiatlisat der SLUB einsehen, in der die Ereignisse kurz beschieben sind. Die Chronik von Petrus Albinus liegt im Digitalisat nicht vor, eine Einsicht erfolgt erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich im Schneeberger Stadtarchiv forsche. Da beide Chroniken jedoch teilweise deutlich später als die Ereignisse entstanden, sind Überlieferungslücken bzw. -fehler nicht auszuschließen. Eine kritische Betrachtung wäre in diesem Fall angebracht. Mein aktueller Wissensstand dazu ist auch, dass keine zeitgenössischen Zeugnisse zu den Geschehnissen bekannt sind. Das erschwert eine Untersuchung deutlich.
Eine weitere These besagt, dass der Streittag auf den 1737 erfolgten Protest um die Verlegung der Bergpredigt des Magdalenen-Tages samt der daran gebundenen Freischicht zurückzuführen ist. Im Zuge der Erstellung eines Restripts im Jahr 1738, das die Bergpredigt und die Freischicht festschreibt, bezog man sich angeblich auf die Ereignisse 1496/98. Ob sich der Ursprung gänzlich klären lässt, muss ich an dieser Stelle offen lassen. Dafür fehlt mir aktuell die Einsicht in die Schriften. Eine Positionierung meinerseits wird es daher jetzt nicht geben. Ich bin jedoch gespannt auf das Dokument von 1738 sowie die Einsicht in die Akten und Chroniken in Schneeberg.

Um so viel wie möglich an dem Tag in der Stadt besuchen zu können, begann meine Fahrt von Berlin aus recht früh. Gegen 5:30 Uhr saß ich im Auto und hoffte, bis 9 Uhr in Schneeberg anzukommen. Die erste Station war die Bergsicherung Schneeberg mit der Fundgrube Weißer Hirsch. Diese ist nur zu besonderen Anlässen, wie eben der Bergstreittag, für Besucher befahrbar. Da ich mich im Anschuss mit Volkmar Müller vom Bergbauverein Schneeberg/Erzgebirge e.V. verabredete, wollte ich die erste Führung nehmen. Direkt nach der Ankunft auf dem Gelände der Bergsicherung konnte ich mich mit Geschäftsführer Bernd Schönherr sowie weiteren Mitarbeitern austauschen und erste Fragen wurden beantwortet. Die anschließende Befahrung samt Führung hatte seinen besonderen Reiz, weil man auch vieles nebenbei erfuhr. Anschließend war noch etwas Zeit für ein etwas ausführlicheres Gespräch mit Herrn Schönherr. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal den Mitgliedern der Bergsicherung Schneeberg/Bergbauverein Weißer Hirsch.

Die zweite Station war die Fundgrube Wolfgangmaßen. Einige Mitglieder des Bergbauvereins waren an diesem Tage mit Baumaßnahmen beschäftigt, denn das Pochwerkgebäude wird stetig rekonstruiert, ein Schulungsgebäude ist gerade am Entstehen.
Auch hier war das gegenseitige Interesse sehr groß. Die Mitglieder fassten es als als positiv auf, dass ich mir das Geschehen auch einmal vor Ort ansehe, statt lediglich „aus dem Studierzimmer“ Forschung zu betreiben. Ich kann dem nur beipflichten, dass es diesen Kontakt auch braucht. Es ist mir für das Projekt an sich und für das Verständnis für ihre Vereinarbeit wichtig, das Gespräch zu suchen. Auch wenn den Vereinen heute viele Möglichkeiten zur Eigenwerbung bereitstehen, sie mit eigenen Homepages über Vorhaben, Ziele und Motivation informieren können und auch Zeitungen hin und wieder über sie berichten, ersetzt das nicht den persönlichen Austausch. Ich bin dankbar für die Unterhaltungen und wichtigen Aussagen sowie der kurzen Führung durchs Objekt.
Ich habe mir vorgenommen, den Verein noch einmal aufzusuchen, um weitere Gespräche zu führen. Des Weiteren bin ich daran interessiert, wie es mit ihren Baumaßnahmen weiter geht.

Ich muss zugeben, dass ich nicht dachte, jeweils mehrere Stunden Zeit zu haben, um mich mit den einzelnen Aktiven auszutauschen. Mit Sicherheit wäre unter Nicht-Corona-Bedingungen ein größerer Besucherandrang an den einzelnen Objekten gewesen, was Gespräche nicht in dieser Länge hätte möglich werden lassen. Dies führte aber auch dazu, dass ich meinem eigentlich Plan, den Kreativpfad noch punktuell abzugehen, deutlich hinterher lief. Unter anderem musste ich den BEsuch im Siebenschlehener Pochwerk beim Trubel in der Poche e.V. verschieben. Der Besuch im Schneeberger Braukombinat, vor dessen Türen der Bergchor „Glück auf“ die Gäste mit zahlreichen Liedern unterhielten, klappte noch rechtzeitig. Die Möglichkeit, noch eine musikalische Darbietung zu erleben, konnte ergriffen werden.

Im Anschluss war ich noch mit den Vorsitzenden der Bergbrüderschaft „Schneeberger Bergparade“ e.V. verabredet. Da die Bergparade ausfiel, gab es lediglich einen kleinen Einzug der Mitwirkenden in der Kirche St. Wolfgang anlässlich der Bergpredigt, weswegen sich die Mitglieder davor trafen. Weitere Termine konnten abgesprochen, weitere Kontakte geknüft werden, was mir für die Bearbeitung sehr weiter hilft.
Von vereinzelten Schneebergern, die sich vor den Toren der Kirche versammelten war beim Beginn der Bergpredigt Bedauern zu hören, dass die Kirche nicht für Besucher:innen geöffnet war und man faktisch von den Habitträgern nichts sehen konnte. Wie so vieles in dieser Zeit, war dies nur digital möglich. Die Bergprädigt wurde im Internet gestreamt und ist auch weiterhin unter erzTV im Internet abrufbar. Eine Zusammefassung gibt es auch auf der Stadtseite von Schneeberg.

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