524. Bergstreittag in Schneeberg

Der Besuch des 524. Bergstreittages in Schneeberg am 22. Juli 2020 sollte mein dritter Besuch in Schneeberg innerhalb eines Monats sein. Nach dem ich bereits Gespräche in der Stadtverwaltung hatte, das Siebenschlehener Pochwerk besuchte und den Bergbaulehrpfad abfuhr, stand zum 22. Juli 2020 der Bergstreittag auf dem Programm. Das dieser im Jahr 2020 ein anderer als gewohnt werden sollte, war spätestens nach den ersten, strengen Maßnahmen gegen das Corona-Virus klar. Keine Bergparade, kein Berggottestdienst wie üblich. Dabei blieb es auch. Allerdings war es der Stadt doch möglich, den Bergstreittag nicht gänzlich absagen zu müssen, sodass es ein Alternativprogramm für die Bewohner:innen und Besucher:innen aufgestellt wurde.
Für mich bedeutet der Tag dennoch „Arbeit“, da mir das Ereignis die Möglichkeit bot, mit einigen Aktiven der Bergbauvereine sprechen zu können. Die bisher angesetzetn Treffen fielen aus, weil auch die Vereinstreffen Corona-bedingt nicht stattfinden konnten.

Vorab versuchte ich so viel wie möglich über das Ereignis in Erfahrung zu bringen und musste feststellen, dass die eine Erzählung immer wieder rezipiert wird, eine Klärung des Ursprungs aber im Umklaren bleibt. Sowohl in der Literatur als auch in den zahlreichen Zeitungsbereichten beruft man sich auf die Niederlegung der Arbeit durch die Bergleute aufgrund der Kürzung des Geldes um einen Groschen in den Jahren 1496 und 1498. Die Bergleute streikten, zogen aus der Stadt aus, die Kürzung wurden revidiert und die Bergleute kamen größtenteils an ihre Arbeitsstellen zurück (soweit die Kurzform der Geschichte). Bisher konnte ich nur die Chronik von Christian Melzer im Digiatlisat der SLUB einsehen, in der die Ereignisse kurz beschieben sind. Die Chronik von Petrus Albinus liegt im Digitalisat nicht vor, eine Einsicht erfolgt erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich im Schneeberger Stadtarchiv forsche. Da beide Chroniken jedoch teilweise deutlich später als die Ereignisse entstanden, sind Überlieferungslücken bzw. -fehler nicht auszuschließen. Eine kritische Betrachtung wäre in diesem Fall angebracht. Mein aktueller Wissensstand dazu ist auch, dass keine zeitgenössischen Zeugnisse zu den Geschehnissen bekannt sind. Das erschwert eine Untersuchung deutlich.
Eine weitere These besagt, dass der Streittag auf den 1737 erfolgten Protest um die Verlegung der Bergpredigt des Magdalenen-Tages samt der daran gebundenen Freischicht zurückzuführen ist. Im Zuge der Erstellung eines Restripts im Jahr 1738, das die Bergpredigt und die Freischicht festschreibt, bezog man sich angeblich auf die Ereignisse 1496/98. Ob sich der Ursprung gänzlich klären lässt, muss ich an dieser Stelle offen lassen. Dafür fehlt mir aktuell die Einsicht in die Schriften. Eine Positionierung meinerseits wird es daher jetzt nicht geben. Ich bin jedoch gespannt auf das Dokument von 1738 sowie die Einsicht in die Akten und Chroniken in Schneeberg.

Um so viel wie möglich an dem Tag in der Stadt besuchen zu können, begann meine Fahrt von Berlin aus recht früh. Gegen 5:30 Uhr saß ich im Auto und hoffte, bis 9 Uhr in Schneeberg anzukommen. Die erste Station war die Bergsicherung Schneeberg mit der Fundgrube Weißer Hirsch. Diese ist nur zu besonderen Anlässen, wie eben der Bergstreittag, für Besucher befahrbar. Da ich mich im Anschuss mit Volkmar Müller vom Bergbauverein Schneeberg/Erzgebirge e.V. verabredete, wollte ich die erste Führung nehmen. Direkt nach der Ankunft auf dem Gelände der Bergsicherung konnte ich mich mit Geschäftsführer Bernd Schönherr sowie weiteren Mitarbeitern austauschen und erste Fragen wurden beantwortet. Die anschließende Befahrung samt Führung hatte seinen besonderen Reiz, weil man auch vieles nebenbei erfuhr. Anschließend war noch etwas Zeit für ein etwas ausführlicheres Gespräch mit Herrn Schönherr. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal den Mitgliedern der Bergsicherung Schneeberg/Bergbauverein Weißer Hirsch.

Die zweite Station war die Fundgrube Wolfgangmaßen. Einige Mitglieder des Bergbauvereins waren an diesem Tage mit Baumaßnahmen beschäftigt, denn das Pochwerkgebäude wird stetig rekonstruiert, ein Schulungsgebäude ist gerade am Entstehen.
Auch hier war das gegenseitige Interesse sehr groß. Die Mitglieder fassten es als als positiv auf, dass ich mir das Geschehen auch einmal vor Ort ansehe, statt lediglich „aus dem Studierzimmer“ Forschung zu betreiben. Ich kann dem nur beipflichten, dass es diesen Kontakt auch braucht. Es ist mir für das Projekt an sich und für das Verständnis für ihre Vereinarbeit wichtig, das Gespräch zu suchen. Auch wenn den Vereinen heute viele Möglichkeiten zur Eigenwerbung bereitstehen, sie mit eigenen Homepages über Vorhaben, Ziele und Motivation informieren können und auch Zeitungen hin und wieder über sie berichten, ersetzt das nicht den persönlichen Austausch. Ich bin dankbar für die Unterhaltungen und wichtigen Aussagen sowie der kurzen Führung durchs Objekt.
Ich habe mir vorgenommen, den Verein noch einmal aufzusuchen, um weitere Gespräche zu führen. Des Weiteren bin ich daran interessiert, wie es mit ihren Baumaßnahmen weiter geht.

Ich muss zugeben, dass ich nicht dachte, jeweils mehrere Stunden Zeit zu haben, um mich mit den einzelnen Aktiven auszutauschen. Mit Sicherheit wäre unter Nicht-Corona-Bedingungen ein größerer Besucherandrang an den einzelnen Objekten gewesen, was Gespräche nicht in dieser Länge hätte möglich werden lassen. Dies führte aber auch dazu, dass ich meinem eigentlich Plan, den Kreativpfad noch punktuell abzugehen, deutlich hinterher lief. Unter anderem musste ich den BEsuch im Siebenschlehener Pochwerk beim Trubel in der Poche e.V. verschieben. Der Besuch im Schneeberger Braukombinat, vor dessen Türen der Bergchor „Glück auf“ die Gäste mit zahlreichen Liedern unterhielten, klappte noch rechtzeitig. Die Möglichkeit, noch eine musikalische Darbietung zu erleben, konnte ergriffen werden.

Im Anschluss war ich noch mit den Vorsitzenden der Bergbrüderschaft „Schneeberger Bergparade“ e.V. verabredet. Da die Bergparade ausfiel, gab es lediglich einen kleinen Einzug der Mitwirkenden in der Kirche St. Wolfgang anlässlich der Bergpredigt, weswegen sich die Mitglieder davor trafen. Weitere Termine konnten abgesprochen, weitere Kontakte geknüft werden, was mir für die Bearbeitung sehr weiter hilft.
Von vereinzelten Schneebergern, die sich vor den Toren der Kirche versammelten war beim Beginn der Bergpredigt Bedauern zu hören, dass die Kirche nicht für Besucher:innen geöffnet war und man faktisch von den Habitträgern nichts sehen konnte. Wie so vieles in dieser Zeit, war dies nur digital möglich. Die Bergprädigt wurde im Internet gestreamt und ist auch weiterhin unter erzTV im Internet abrufbar. Eine Zusammefassung gibt es auch auf der Stadtseite von Schneeberg.

#KohleBoom in Oelsnitz/Erz.

Wie nun allseits bekannt sein dürfte, startete die 4. Sächsische Landesausstellung dieses Jahr nicht wie vorgesehen Ende April sondern am 10. Juli. Schließlich ist aufgeschoben nicht aufgehoben!
Offiziell für Besucher:innen freigegeben war sie dann einen Tag später am 11. Juli, was mich wiederum bewog, nach Oelsnitz ins Bergbaumuseum zu fahren. Dieses ist mit der Ausstellung #KohleBoom neben der Zentralen Ausstellung eins von insgesamt sechs Schauplätzen und neben dem #SilberBoom in Freiberg einer der zwei Standorte mit explizitem Bergbaubezug.

Beginn der Ausstellung


Eigentlich ist das Bergbaumuseum Oelsniz bis 2023 wegen einer umfassenden Sannierung seit letztem Jahr geschlossen. Die Daueraustellung wird rundum erneuert und ein moderneres Museumskonzept findet in Zukunft Anwendung. Einen Vorgeschmack gibt es bereits jetzt bei #KohleBoom. Die Anreise zur Eröffnung hat sich gelohnt. Von der Entstehung der Kohle bis zur heutigen musealen Umsetzung am alten Gelände des Karl-Liebknecht-Schachtes geht es einmal durch die Geschichte der Kohleförderung in Sachsen. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf dem Lugau-Oelsnitzer-Revier sondern es werden auch der einstige Abbau im Zwickauer sowie im Freitaler Revier beleuchtet.
Die Ausstellung ist in mehrere Bereiche unterteilt. mit zahlreichen Karten, Informationstafeln und Schaukästen versehen. Führungen werden selbstverständlich ebenfalls angeboten, diese habe ich allerdings für’s erste nicht in Anspruch genommen, werde dies aber bei einem weiteren Besuch tun. Für den ersten Besuch war es mir wichtig, die Ausstellung erst einmal auf mich wirken zu lassen, mir Zeit zu nehmen und auch einmal Videos und Audiomaterialen mit Ruhe zu nutzen.


Wenn das Interesse sehr ausgeprägt ist, sollten sich Besucher:innen einige Stunden Zeit für die Austellung nehmen, werden dann aber auch mit ausführlichen Informationen versorgt.
Beeindruckend fand ich die Vorführung der Dampfmaschine. Zahlreiche Mitarbeiter:innen des Museums stehen einem mit Erklärungen zu Seite, sodass auch jegliche nachfragen beantwortet werden. Insbesondere für die Generationen, denen der sächsische Bergbau gänzlich fremd ist, ist diese Ausstellung ein guter Zugang für dieses Thema, spezifisch auf den Steinkohlenbergbau versteht sich. So kommen auch auditiv Personen zu Wort, die nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus in Sachsen etwas zu Bewahrung und Pflege des Industriedenkmals und der hiesigen Traditionen beitragen. Für jüngere Menschen kann somit vor allem der letzte Abschnitt Ansporn sein, sich etwas näher mit der Geschichte des Bergbaus in Sachsen zu beschäftigen.
Für den musealen Teil meiner Arbeit ist das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge fest eingeplant, um diese Form der historischen Vermittlung aber auch dem Stellenwert des Tourismus in diesem Bereich Aussagen treffen zu können.

Der nächste Besuch in Oelsnitz ist bereits eingeplant. Und auch dieser wird nicht der Letzte sein.

Nähere Informationen sind zu finden unter:
Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge
4. Sächsische Landesausstellung

Schneeberg I + II

Es klang in den letzten Beiträgen bereits an, dass die Bearbeitung der Disseration durch die Corona-Pandemie und der dadurch berechtigt eingeführten Schutzmaßnahmen erheblich an Dynamik eingebüst hat. Um es vorwegzunehmen, hier ist kein Platz zum Jammern und ich maße mir auch nicht an, über die getroffenen Maßnahmen der letzten Wochen und Monate zu urteilen. Natürlich muss ich nun mit Blick auf den einst niedergeschriebenen Ablaufplan feststellen, dass vieles nicht eingehalten werden kann, wie es einst konzipiert wurde. Mit dieser Einsicht bin ich aber auch nicht alleine. Ich wäre gern weiter vorangekommen, als es jetzt der Fall ist. Ein stückweit müssen Realismus und Pragmatismus nun Hand in Hand gehen. Pläne werden modifiziert und an die neue Situation angepasst. Es ist, wie es eben ist und trotzdem wird das Beste daraus gemacht.
So kam es auch, dass ich meine ersten Besuche ‚vor Ort‘ erst im Juni beginnen konnte. Es war ein langsames Herantasten. Was kann gemacht werden, wo sind bereits Museen wieder auf? Wer ist bereit für ein Gespräch?
Die erste Station war somit eine pragmatische Entscheidung, um einigermaßen systematisch vorzugehen. Ich begann im Westerzgebirge mit der Bergstadt Schneeberg. Die Internetpräsenz der Stadt wurde analysiert (Inmitten der Bearbeitungsphase erfuhr diese einen Relaunch und ich war zugegebenermaßen kurz irritiert. Die Seite ist jetzt aber benutzerfreundlicher, was das weitere Vorgehen deutlich erleichterte.), zahlreiche Beiträge zur Stadt- und Bergbaugeschichte sowie zu den ansäßigen Bergbauvereinen gelesen und die Social Media-Seiten durchgesehen. Hierdurch entstand auch der Kontakt zu Herrn Unger und Frau Espig in der Stadtverwaltung der Bergstadt. Ein sich daraus ergebenes persönliches Gespräch beim folgenden Besuch in Schneeberg war sehr ergebnisreich. Der anschließende Besuch im Siebenschlehener Pochwerk kann in dieser Linie ebenfalls als sehr informativ und erfolgreich gewertet werden (Ein Dank an dieser Stelle noch einmal an Frau Espig für die Vermittlung und Herrn Tabel für die ausführliche Führung). Nach dieser langen Durststrecke ohne persönliche Gespräche war dieser Beginn in Schneeberg mehr als das, was ich für den Anfang erwartete. Das Vorhaben, nicht nur über einen Ort zu schreiben, sondern auch mehrfach vor Ort zu sein, erwies sich in der Rückschau als richtig.

Ein weiterer Besuch in der Stadt führte mich über den Bergbaulehrpfad. Da ich mir bei der Analyse der einzelnen Stadtseiten auch ansehe, welche touristischen Angebote, die in Verbindung mit der Bergbaukultur zu finden sind, stieß ich relativ schnell auf verschiedene Routen rund um die Bergstadt. Der Bergbaulehrpfad bereitet mit seinen zahlreichen Infotafeln einen relativ guten Überblick über das Bergbaugeschehen in und um Schneeberg. Es mag sicherlich hilfrei sein, vorab etwas Kenntnisse über Thema zu haben. Vereinzelte Schautafeln mit Erklärungen, z.B. über die Bewetterung, geben aber auch für Unkundige Überblickswissen preis.
Erfreulich war für mich, dass an diesem Tag das Wetter besonders freundlich war und sich somit ein wunderbarer Blick über Stadt und Landschaft bot. (Weitere Einblicke dazu auch auf meiner Instagram-Seite in den Stories zu Schneeberg.)

Neues vom Schreibtisch

Die letzten Wochen waren geprägt von Literaturarbeit. Neben Titeln zur Bergbaukultur wie „Alles kommt vom Bergbau her“ von Bernd Lahl und Jens Kugler, Gerhard Heilfurths „Der Bergbau und seine Kultur“ oder auch noch einmal einzelne Kapitel von Otfried Wagenbrets und Eberhard Wächtlers „Bergbau im Erzgebirge“ wurde auch das Einführungswerk „Nachhaltiger Tourismus“ von Hartmut Rein und Wolfgang Strasdas einer Durchsicht unterzogen. 
Da sich mit den weiteren Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen abzeichnete, dass nun die geplanten Untersuchungen in den einzelnen Regionen angegangen werden können, ist der Fokus umso stärker auf die zu untersuchenden Städte gelegt worden. Wie bereits im letzten Post und im Podcastfolge eins angesprochen, wurde in Anlehnung an die „Sächsische Silberstraße“ geschaut, welche Städte für eine nähere Untersuchung herangezogen werden können. Die Vielzahl der Orte mit Bergbaubezug sowie aktiven Vereinen, die auch im Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. organisiert sind, lassen es leider nicht zu, dass im Rahmen dieser Arbeit allen die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird. Eine Eingrenzung muss her, weswegen ich mich vorerst für die Orte Schneeberg, Aue-Bad Schlema, Annaberg-Buchholz, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Oelsnitz, Marienberg, Freiberg, Altenberg-Zinnwald sowie Dippoldiswalde und Freital entschieden habe. Ich betone an dieser Stelle, dass diese Eingrenzung noch nicht final ist und sich im Laufe der weiteren Schritte noch verändern können. Bereits beim ersten Ort, Schneeberg, wird deutlich, dass mit der der Betrachtung des Besucherberkwerks St. Anna am Freudenstein in Zschorlau eine weitere Stätte hinzukommen wird.
Bei den ausgewählten Orten werden nun sowohl die Internetpräsenzen der Stadt samt ihrer Social Media Auftritte, falls vorhanden, auf Verweise zur Bergbaukultur untersucht. Gleiches gilt für die Seiten der Tourismusverbände. Hierbei liegt der Fokus auf Darstellungsinhalt und -art, um im Vergleich mit der jeweiligen Bergbauhistorie ermitteln zu können, ob eine Wichtung hinsichtlich einzelner Aspekte (insbesondere mit Blick auf den Tourismus) vorliegt. Die Umstände für die Darstellungen werden unterschiedlich sein und sollen anhand von Gesprächen mit Aktiven der Bergbauvereine sowie, wenn möglich, mit Vertretern von Stadtmarketing und Tourismus ermittelt werden. Gleichzeitig werden auch historische Ereignisse, unterschiedliche Maßstäbe bei der historischen Aufarbeitung usw. Gründe für eine unterschiedliche Wichtung bei der historischen Darstellung sein. Um die Rezeption darlegen zu können, ist neben der Ergründung aktueller Darstellungen auch der historische Verlauf zu verfolgen. Neben der einschlägigen Forschungsliteratur sind hier insbesondere die Bestände der lokalen Archive sowie des Sächsischen Staatsarchivs in Chemnitz und des Bergarchivs Freiberg durchzusehen. Vor allem anhand der Betrachtung von Entwicklungen der Erinnerungskultur lassen sich Erkenntnisse für eine ausgewogenere und auch selbstkritische Darstellung mit Blick auf die touristische Vermarktung von historischen Bezügen gewinnen. 

Bergbau.KulTour-Podcast

Hier finden Sie alle Folgen des Bergbau.Kultur Podcasts.

Die nächsten Schritte

Der Tourismus im Erzgebirge ist gerade arg gebeutelt, wie auch in den anderen Regionen von Sachsen und Deutschland. Das betrifft die Museen und Schaubergwerke, sowie weitere Zweige, die sich zum bergbaukulturellen Bereich zählen. Ich beschäftige ich mich aktuell intensiver mit der Beziehung jener Zeugnisse und dem Tourismus in dieser Region. Die zahlreiche (Forschungs-)Literatur dazu ist das Eine, die Betrachtung der onlinebasierten Medien das Andere. Insbesondere Letztere sind für mich spannend, weil sie immer wichtiger werden, wenn es darum geht, sich über eine Region zu informieren. Der Input ist vielschichtig und nicht zuletzt schnelllebig, vor allem dann, wenn sich, wie in den letzten Tagen, die Rahmenbedingungen ändern. Um auf die aktuelle Situation zu reagieren, die sich auch auf meine Planung auswirkt, stellte ich mir die Frage der Herangehensweise neu.


Angelehnt an die „Silberstraße“ werde ich verschiedene Objekte der einzelnen Bergbauregionen betrachten. Darunter zählen die historischen Daten und Arbeiten, die zu ihnen vorliegen, aber auch die Darstellungen, die im Internet zu finden sind. Hierzu habe und werde ich einzelne Dossiers anlegen, die mit Informationen gefüllt werden, um herauszufinden, wie die historischen Daten im Verhältnis zu den heute proklamierten Informationen stehen. Ich bin selbst gespannt, inwieweit mir die Melange gelingt, die regionalen Positionen, die auch einen gewissen Identitätsfaktor haben, mit dem in Verbindung zu setzen, was externe Besucher:innen von Kultur und Region erwarten.
Da ich meinen Lebensmittelpunkt aktuell nicht im Erzgebirge habe, ergibt sich ein leichter Vorteil beim Betrachten einiger Forschungsfragen, da ich sie von außen auf das Forschungobjekt stelle. Natürlich sind meine Wege in die jeweiligen Regionen länger und ich muss mir mit Sicherheit den Vorwurf gefallen lassen, wie ich meine Arbeit „anständig“ vollziehen kann, wenn ich nicht vor Ort bin. Der von außen gerichtete Blick sowie die dadurch entstehenden Gedanken erlauben mir aber auch einmal die Position des Besuchers einzunehmen. Das sehe ich als jenen leichten Vorteil an. Ich möchte das allerdings mitnichten als Distanz zum Forschungobjekt verstanden wissen. Es liegt mir sehr daran, dass geographische Distanz nicht eine gleichbedeutende zu den Objekten darstellt. Die bereits zurückliegenden Touren bestärkten mich auch in meiner Herangehensweise, um die Facetten besser darstellen zu können.

Wieder auf Tour (langsam)

Mit dem Ende der Ausgangssperre in Sachsen war es mir wieder möglich, temporär die vier Wände gegen fahrbaren Untersatz, Natur und etwas praktische Tätigkeit zu tauschen. Wie bereits geschrieben, flankiere ich diese Seite mit einem Instagram- und einen Facebook-Profil, um nicht nur meiner Arbeit etwas mehr Breite zu geben, sondern auch um ausloten zu können, welche Möglichkeiten dieses Thema im Social Web bietet. Wie ist das Thema im Netz präsent, wie stellt es sich dar, welche Formen nimmt es an? Ziel ist es aber vordergründig, in den Austausch mit Menschen zu kommen, die sich in unterschiedlichsten Facetten dem Thema Bergbaukultur nähern und widmen.
Wie passt das mit meinem Thema zusammen?
Geschichtswissenschaft klingt für viele Menschen oft sehr trocken. Die Vorstellung, Forscher:innen sitzen in Kellern vor alten, verstaubten Schriften, ist hierbei ein gängiges Klischee, dem ich gern entgegen wirken möchte. Auch ich verbringe aktuell und sicher noch eine Vielzahl an Stunden in Bibliothelen, Archiven oder, wie jetzt, im Homeoffice, um zu lesen, zu recherhieren und Sachverhalte zu verstehen. Wissenschaftliches Arbeiten hat aber auch viel mit Austausch, Gesprächen und mit geographischen Räumen zu tun. Es ist für mich daher inhaltlich wie für das Gesamtverständnis wichtig, die Räume gesehen zu haben, mit denen ich mich beschäftige. Und sie immer wieder zu sehen.
Aus diesem Grund habe ich seit die Lockerungen zwei Touren unternommen. Eine über Lauenstein, Altenberg, Zinnwald, Olbernhau, Pockau-Lengefeld, Großhartmannsdorf. Die Zweite nach Schneeberg, Aue-Bad Schlema, Wildbach und Hartenstein, mit einem Stop auf der Rückfahrt auf Schloß Augustusburg. Beide Tagestouren waren vordergründig Fototouren, da die meisten Objekte auf dieser Strecke noch geschlossen hatten und ein Besuch dieser nicht möglich war. Zusammen mit einer kurz vor der Ausgangssperre vorgenommenen Tagesreise nach Oelsnitz, Schneeberg, Bad Schlema, Geyer, Annaberg-Buchholz, Wolkenstein und Marienberg sind diese „Erkundungsfahrten“ Arbeit und Entspannung zugleich. Einige Fotos davon stelle ich samt Kurzerklärung nach und nach bei Instagram ein. Ein Mittel, landschaftlich die Vielfalt abzubilden. Gleichzeitig aber auch, um bei anderen Fotograf:innen zu sehen, wie ihr Blick auf die Umgebung ist. Auch hier werde ich den Austausch suchen.

Ich hoffe und wünsche mir, dass diese Touren wieder regelmäßiger werden, mit mehr Interaktion und Gesprächen (natürlich unter den empfohlenden Sicherheitsmaßnahmen, klar), denn der touristische Aspekt ist für mich ebenso bedeutend, wie der historische. Beides zusammen geht nur mit einem Blick auf Landschaft, Raum und Objekte. Die Lockerungen werden es zeigen.

Arbeiten an meiner Dissertation

Wie sieht ein Arbeitsalltag bei mir aus? Hierbei muss ich ein wenig in die Rückschau gehen.
Ich habe den Zuschlag für die Ausführung dieses Projektes kurz vor dem anvisierten Beginn am 1. Oktober 2019 bekommen, weshalb der Start eine Mischung aus Freude, Überraschung und der Sprung ins buchstäbliche Kalte Wasser war. Obwohl ich mich mit dem Thema im Zuge der Antragstellung ein wenig beschäftigte, stand eine intensivere Literaturrecherche sowie das Verschaffen eines Überblicks erst noch an. Ich begann intensiver zu recherchieren, welche Texte, Bücher, Aufsätze über das Thema verfasst wurden. Allein in den ersten Tagen kann sich diese Tätigkeit über mehrere Stunden hinziehen und man gerät sehr oft vom Hundertsten ins Tausenste. Viele Nebenaspekte scheinen wichtig, dieser und jener Weg klingt interessant … Die Anfangssuche ist nicht unbedingt einfach, auch nach Studium und zahlreichen Projektarbeiten nicht. Hilfreich sind hierbei klare Linien und Kriterien. Ich muss jedoch zugeben, dass die Einhaltung dieser nicht immer einfach ist. Vor allem dann nicht, wenn man zwar ein Konzept im Kopf hat, man sich aber in viele Dinge erst einlesen muss. Klar ist aber auch: „Jeder hat einmal ohne Ahnung angefangen“. Sich einmal in Nebenlinien zu verzetteln, ist dann auch ok. So boten die für die Rechere zur Verfügung stehenden Portale und Bestellmasken der Bibliotheken ein Tummelplatz für die ersten Tage. Die ersten Bücher, die mir als Einsteig dienten, waren, „Bergbau im Erzgebirge“ von Otfried Wagenbreth und Eberhard Wächtler, „Bergbaukultur im Erzgebirge“ von Gerhard Heilfurth und „Montanlandschaft Erzgebirge“ in Herausgeberschaft von Sönke Löden (die Literaturangaben werde ich gesondert hier listen).
Darüber hinaus galt es den Projektplan umzusetzen und somit die einzelnen Maßnahmen en detail zu be- und erarbeiten. Da ich es als sinnvoll erachte, die Bergbaukultur aus der heutigen Sicht in Rückschau zu betrachten (Stichwort: Top down), nahm ich mir auf Grundlage der alten Homepage des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns- Hütten- und Knappenvereine e.V. deren Mitgliedsvereine vor und ging, soweit möglich, deren Internetpräsenzen durch (nach grundlegender Neugestaltung ihrer Seite und der Anpassung der Mitgliedervereine passte ich die Informationen Anfang 2020 noch einmal an). Mir war es wichtig, erst einmal zu erkennen, wie sich die Aktiven der heutigen Bergbaukultur präsentieren. Ich will ergründen, ob Bezugspunkte ersichtlich sind, die alle Vereine verbindet. Gibt es Erkenntnisse darüber, wie der Begriff „Bergbaukultur“ zu fassen ist? Und mit dem Aspekt des Tourismus im Hintergrund ist es für mich unerlässlich zu ergründen, inwieweit die Tätigkeit der Vereine Aussagen darüber zulassen, ob und wie sie sich für diesen öffnen oder nicht (Veranstaltungen, Lehrpfade etc.).
Für die Festlegung der Methodik begann ich einschlägige Werke zur Transformations- und Ritualtheorie zu lesen. Besonders intensiv nahm ich mir jedoch die Definition von „Idenitität“ bzw. „regionaler Identität“ vor. Die Bergbaukultur wird immer wieder als identitätsstiftend bezeichnet, was m.E. seine Berechtigung hat. Hierfür bedarf es Belege, die in Aussagen und Handlungen der Menschen zu finden sind, die es zusammenzutragen gilt. Das ist insbesondere dann von Relevanz, wenn die zu untersuchende „Identität“ unter dem Blickwinkel der Transformationstheorie betrachtet wird. Das ist schon allein deswegen notwendig, wenn man sich vor Augen führt, dass die Ausübung des Berufs des Bergmann nach der Wiedervereinigung erheblich nachgelassen hat, eine Art „Identität“ bzw. Selbstbewusstsein, dennoch an Folgegenerationen weitergetragen wird.

Hieran wird deutlich, dass die erste Zeit der Arbeit an diesem Projekt viel mit Lesen zu tun hat. Lesen, abgleichen mit den Fragen und Annahmen, die an die einzelnen Teilaspekte gestellt werden, gegebenenfalls die Ausrichtung der weiteren Schritte anpassen, neue Literatur bestellen, weiterlesen. Hinzu kamen erste Kontaktaufnahmen mit den Vereinen des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V.. Zu Beginn der Weihnachtszeit und dem entsprechend zu „Saisonbeginn“ der Bergparaden keine leichte Aufgabe, schließlich sind die Vereine viel unterwegs, die Zeit ist knapp.
Die Arbeit ist auch ein Geduldspiel, vor allem dann, wenn die Informationen außerhalb von Büchern zu finden sind. Wenn ich davorn spreche, dass jene Vertreter:innen der Bergbauvereine Quellen sind, meine ich das respektvoll. Schließlich sind sie Teil dieser Kultur, haben Aussagen dazu beizutragen, die nur sie wissen. Es gilt daher besonders ihre Tätigkeiten zu respektieren. Schließlich widmen sich die wenigsten dem Erhalt hauptberuflich. Der überwiegende Teil ist ehrenamtlich, betrifft also ihre Freizeit. Wenn der eigene Forscherdrang zu ergeizig ist, muss auch ich mir das immer wieder vor Augen führen.
Um dennoch das Wissen der Akteure erfassen zu können, was gleichzeitig für mich die Quelle der Vielfältigkeit dieser Kultur darstellt, erarbeitete ich einen Fragebogen, der an bisher 48 Vereine ausgegeben wurden.

Ich stehe daher aktuell an einem Punkt, an dem sich langsam das einstige Konzept mit einem Grundgerüst an Informationen und Wissen füllt. Gepaart ist dies mit vielen Aha-Momenten, die oftmals jedoch auch Gabelungen aufzeigen, die neue Wege vorausahnen lassen.
Die vorliegende Seite war eine Gabelung, dessen Weg es zu gehen gilt. Ein weiterer ist die Verschriftlichung des Theorieteils. All dies erfolgt Etappenweise, da der Teil des wissenschaftlich-technischen Bereichs nicht nur die Auswahl von Beispielobjekten erfordert, dessen Literatur- und Quellenmaterial besorgt werden muss. Ebenso möchte ich an den ausgewählten Objekten auch mit jenen Menschen sprechen, die Vorort am Erhalt und der Weitergabe von Wissen beteiligt sind. Lesen, schreiben, besuchen. So der Plan, zumindest bis Anfang März. Und dann kam die Corona-Pandemie.

S

Im Folgenden jene Begriffe unter dem Buchstaben S

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Q

Im Folgenden jene Begriffe unter dem Buchstaben Q

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