Bergbau.KulTour-Podcast

Hier finden Sie alle Folgen des Bergbau.Kultur Podcasts.

Arbeiten an meiner Dissertation

Wie sieht ein Arbeitsalltag bei mir aus? Hierbei muss ich ein wenig in die Rückschau gehen.
Ich habe den Zuschlag für die Ausführung dieses Projektes kurz vor dem anvisierten Beginn am 1. Oktober 2019 bekommen, weshalb der Start eine Mischung aus Freude, Überraschung und der Sprung ins buchstäbliche Kalte Wasser war. Obwohl ich mich mit dem Thema im Zuge der Antragstellung ein wenig beschäftigte, stand eine intensivere Literaturrecherche sowie das Verschaffen eines Überblicks erst noch an. Ich begann intensiver zu recherchieren, welche Texte, Bücher, Aufsätze über das Thema verfasst wurden. Allein in den ersten Tagen kann sich diese Tätigkeit über mehrere Stunden hinziehen und man gerät sehr oft vom Hundertsten ins Tausenste. Viele Nebenaspekte scheinen wichtig, dieser und jener Weg klingt interessant … Die Anfangssuche ist nicht unbedingt einfach, auch nach Studium und zahlreichen Projektarbeiten nicht. Hilfreich sind hierbei klare Linien und Kriterien. Ich muss jedoch zugeben, dass die Einhaltung dieser nicht immer einfach ist. Vor allem dann nicht, wenn man zwar ein Konzept im Kopf hat, man sich aber in viele Dinge erst einlesen muss. Klar ist aber auch: „Jeder hat einmal ohne Ahnung angefangen“. Sich einmal in Nebenlinien zu verzetteln, ist dann auch ok. So boten die für die Rechere zur Verfügung stehenden Portale und Bestellmasken der Bibliotheken ein Tummelplatz für die ersten Tage. Die ersten Bücher, die mir als Einsteig dienten, waren, „Bergbau im Erzgebirge“ von Otfried Wagenbreth und Eberhard Wächtler, „Bergbaukultur im Erzgebirge“ von Gerhard Heilfurth und „Montanlandschaft Erzgebirge“ in Herausgeberschaft von Sönke Löden (die Literaturangaben werde ich gesondert hier listen).
Darüber hinaus galt es den Projektplan umzusetzen und somit die einzelnen Maßnahmen en detail zu be- und erarbeiten. Da ich es als sinnvoll erachte, die Bergbaukultur aus der heutigen Sicht in Rückschau zu betrachten (Stichwort: Top down), nahm ich mir auf Grundlage der alten Homepage des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns- Hütten- und Knappenvereine e.V. deren Mitgliedsvereine vor und ging, soweit möglich, deren Internetpräsenzen durch (nach grundlegender Neugestaltung ihrer Seite und der Anpassung der Mitgliedervereine passte ich die Informationen Anfang 2020 noch einmal an). Mir war es wichtig, erst einmal zu erkennen, wie sich die Aktiven der heutigen Bergbaukultur präsentieren. Ich will ergründen, ob Bezugspunkte ersichtlich sind, die alle Vereine verbindet. Gibt es Erkenntnisse darüber, wie der Begriff „Bergbaukultur“ zu fassen ist? Und mit dem Aspekt des Tourismus im Hintergrund ist es für mich unerlässlich zu ergründen, inwieweit die Tätigkeit der Vereine Aussagen darüber zulassen, ob und wie sie sich für diesen öffnen oder nicht (Veranstaltungen, Lehrpfade etc.).
Für die Festlegung der Methodik begann ich einschlägige Werke zur Transformations- und Ritualtheorie zu lesen. Besonders intensiv nahm ich mir jedoch die Definition von „Idenitität“ bzw. „regionaler Identität“ vor. Die Bergbaukultur wird immer wieder als identitätsstiftend bezeichnet, was m.E. seine Berechtigung hat. Hierfür bedarf es Belege, die in Aussagen und Handlungen der Menschen zu finden sind, die es zusammenzutragen gilt. Das ist insbesondere dann von Relevanz, wenn die zu untersuchende „Identität“ unter dem Blickwinkel der Transformationstheorie betrachtet wird. Das ist schon allein deswegen notwendig, wenn man sich vor Augen führt, dass die Ausübung des Berufs des Bergmann nach der Wiedervereinigung erheblich nachgelassen hat, eine Art „Identität“ bzw. Selbstbewusstsein, dennoch an Folgegenerationen weitergetragen wird.

Hieran wird deutlich, dass die erste Zeit der Arbeit an diesem Projekt viel mit Lesen zu tun hat. Lesen, abgleichen mit den Fragen und Annahmen, die an die einzelnen Teilaspekte gestellt werden, gegebenenfalls die Ausrichtung der weiteren Schritte anpassen, neue Literatur bestellen, weiterlesen. Hinzu kamen erste Kontaktaufnahmen mit den Vereinen des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V.. Zu Beginn der Weihnachtszeit und dem entsprechend zu „Saisonbeginn“ der Bergparaden keine leichte Aufgabe, schließlich sind die Vereine viel unterwegs, die Zeit ist knapp.
Die Arbeit ist auch ein Geduldspiel, vor allem dann, wenn die Informationen außerhalb von Büchern zu finden sind. Wenn ich davorn spreche, dass jene Vertreter:innen der Bergbauvereine Quellen sind, meine ich das respektvoll. Schließlich sind sie Teil dieser Kultur, haben Aussagen dazu beizutragen, die nur sie wissen. Es gilt daher besonders ihre Tätigkeiten zu respektieren. Schließlich widmen sich die wenigsten dem Erhalt hauptberuflich. Der überwiegende Teil ist ehrenamtlich, betrifft also ihre Freizeit. Wenn der eigene Forscherdrang zu ergeizig ist, muss auch ich mir das immer wieder vor Augen führen.
Um dennoch das Wissen der Akteure erfassen zu können, was gleichzeitig für mich die Quelle der Vielfältigkeit dieser Kultur darstellt, erarbeitete ich einen Fragebogen, der an bisher 48 Vereine ausgegeben wurden.

Ich stehe daher aktuell an einem Punkt, an dem sich langsam das einstige Konzept mit einem Grundgerüst an Informationen und Wissen füllt. Gepaart ist dies mit vielen Aha-Momenten, die oftmals jedoch auch Gabelungen aufzeigen, die neue Wege vorausahnen lassen.
Die vorliegende Seite war eine Gabelung, dessen Weg es zu gehen gilt. Ein weiterer ist die Verschriftlichung des Theorieteils. All dies erfolgt Etappenweise, da der Teil des wissenschaftlich-technischen Bereichs nicht nur die Auswahl von Beispielobjekten erfordert, dessen Literatur- und Quellenmaterial besorgt werden muss. Ebenso möchte ich an den ausgewählten Objekten auch mit jenen Menschen sprechen, die Vorort am Erhalt und der Weitergabe von Wissen beteiligt sind. Lesen, schreiben, besuchen. So der Plan, zumindest bis Anfang März. Und dann kam die Corona-Pandemie.